REDE UND INFORMATION DES HEROLDS FÜR DAS JAHR 2005/2006
Sehr geehrte Ordensdamen und Ordensritter, geehrte Schwestern und Brüder,
gestatten Sie mir einige Worte zum Jahr 2006, um einige Schritte zu erklären, die wir entweder bereits absolviert haben oder die uns erst erwarten.
Im Jahre 2005 wurde die sogenannte „heraldische Richtlinie“ herausgegeben, welche die heraldische Praxis und Gewohnheiten, das heraldische Recht und unsere individuelle Position als Orden, sowie unseren korrekten heraldischen Ausdruck der Mitgliedschaft jedes Ritters und jeder Dame harmonisiert. Denjenigen von Ihnen, denen die vorherigen Herolde (ich übe diese Funktion seit Herbst 2004 aus) ziemlich unbegreiflich Wappen mit offensichtlichen heraldischen Fehlern gebilligt hatten, versuchte ich Briefe mit dem Ersuchen um Richtigstellung zu schicken – man muss sagen, die Reaktionen waren ziemlich gegensätzlich. Einige hießen dies positiv willkommen, oft mit Begeisterung, von einigen erhielt ich sozusagen „schärfere“ Reaktionen. Manche negative Antworten kann ich verstehen. Wenn auch der Orden im Rahmen der „heroldschen Richtlinie“ eine gewisse Beteiligung an der Erstattung der neuen, heraldisch einwandfreien Malerei offeriert, ist die Summe von 3.000 bis 7.500 Kronen für einige Mitglieder sicherlich hoch (im schlimmsten Falle handelt es sich um einen ganzen neuen Wappensatz, d.h. inkl. Malerei auf Büttenpapier, Tafeln, Siegel usw.). Falls die Wappen jedoch Fehler aufweisen, müssen die betroffenen Mitglieder damit rechnen, dass der Orden seine Wappen im vorbereiteten Sammelband - Almanach – natürlich auch im Internet – nicht öffentlich präsentieren kann. Der Orden muss nämlich auf Garantien und direkte Zusammenhänge des Ordens mit solchen fehlerhaften Wappen verzichten.
Eine Argumentation, dass „das Wappen bereits woanders registriert wurde“, kann nicht anerkannt werden, insbesondere deshalb, weil es doch eindeutige heraldische Regeln gibt, die von einigen Vereinen jedoch ununterbrochen verletzt werden (z.B. Vergabe von Kronen an Bürger, die ein neues Wappen registrieren lassen; die Mitgliedschaft in keiner Organisation in der Tschechischen Republik begründet nicht automatisch das Recht an einer Krone im Wappen; das war immer das Privileg des „höheren Standes“, und zwar grundsätzlich als Erbe oder für Verdienste im nationalen oder sogar im internationalen Maßstabe – s. dazu die „genealogische Richtlinie“ vom März 2006, in voller Fassung unter www.eosw.info, ebenfalls sämtliche weitere Dokumente; ein viel schlimmeres Vergehen ist die Verwendung des Wappens eines Geschlechts, mit welchem den Betroffenen keine Blutsverwandtschaft verbindet, besonders dann, wenn ein Wappen des bereits ausgestorbenen Geschlechts angeeignet wird). Ebenso befürchte ich, dass schweigen und nicht beantworten der Briefe der Ordensfunktionäre keine Lösung ist, denn wie kann dieses Betragen anders als „Missachtung des Bruders“ verstanden werden?! „Mit reinem Schild“ – so lautet unsere Ordensparole! Es ist merkwürdig, dass jemand lieber auf einem bewussten Fehler beharrt, statt diesen zu korrigieren oder eine Lösung zu suchen, die sowohl für ihn als auch für den Orden akzeptabel wäre. Das Wort „rein“ kennt keine relativierenden Attribute.
Einige Mitglieder verstanden eine gewisse Professionalisierung des Ordens als „grundsätzliche Veränderung der Gemeinschaft“ – was für die meisten von uns mehr als überraschend war. Das Ziel ist doch nichts anderes, als dass wir uns Schulter an Schulter zu den uralten Orden stellen, und von denen anerkannt werden wollen, vielleicht auch mehr. (Es ist vielleicht ein Klischee, es gibt jedoch bei EOSW keine geringeren Ziele als „Per Aspera ad Astra – Auf rauen Wegen zu den Sternen!“). Und das kann nicht anders als durch das Einhalten der ganz klar gestellten Regeln erreicht werden. Wir sind Mitglieder einer karitativen Organisation, die in ihrem Namen die Worte „Ritterorden“ trägt, und es ist also eine große Enttäuschung, wenn sich einige Mitglieder wundern, dass sie das vorgeschriebene Zehent bezahlen sollen, nota bene, dass sie um – einen, im wesentlichen symbolischen – Beitrag für den Objektkauf gebeten werden, in dem die Mission des heiligen Wenzeslaus ruht, d.h. in der Armen- und Krankenfürsorge, im Mitleid mit den Leidenden und Hilfsbedürftigen – hier spreche ich über den Erwerb der ehemaligen Czerninscher Bierbrauerei in Chudenice / Chudenitz, aus der – nicht durch ein Wunder, sondern nur dank unserer realen Bemühungen und unserem Leben in der Ordnungsgemeinschaft – unter anderem auch unser Ordensheim entsteht. Gleich wie in der Heraldik, Faleristik und im Bemühen einen wahrhaftigen Überblick über seine Vorfahren zu haben, gibt es hier kein persönliches Interesse eines der Ordensfunktionäre; jedes Mitglied sollte zu diesem Werk einen Beitrag leisten, sein Wappen selbst in Ordnung halten, keine weißen Stellen in seinem Stammbaum haben und letztendlich die Dekorationen oder Uniform tragen, die 100 % im Einklang mit den Vorschriften und den in vergangenen Jahrhunderten bewährten Gewohnheiten stehen.
Wenn jemand behaupten würde, dass sich der Orden „veränderte“, dann muss man sich fragen, welcher Gemeinschaft er ursprünglich beigetreten ist, bzw. was er sich dabei gedacht hat und wie er sich das Bestehen des Ordens vorgestellt hat? Alljährlich bei einem einzigen Treffen „Medaillen verteilen“, ohne dass die Öffentlichkeit unsere Existenz, geschweige denn unsere Arbeit wahrnimmt, die zurzeit ganz bestimmt nicht unbedeutend ist; sich in den Medien zum Adeligen erklären? Andere Orden verachten, indem es uns „egal sein kann“? Das Mitglied der Gemeinschaft sein, die den Namen unseres größten Heiligen, des Landeschutzherrn und Märtyrers, des heiligen Wenzeslaus trägt, ohne über ihn etwas zu wissen, Pastoraltage des Ordens zu ignorieren und die Kirche vielleicht nur „zu Weihnachten zu besuchen“? Ich glaube, es gibt viele Gemeinschaften, die damit „zufrieden sind“ – der Ritterorden des heiligen Wenzeslaus gehört jedoch nicht dazu.
Mehr als trist ist die Tatsache, dass auch Orden mit uralten Traditionen solche Praktiken ausüben, welche - wenn nicht direkt in Widerspruch zur Christus Lehre, dann wenigsten „an der Kante“ damit stehen. Christus lehrte doch die Liebe zu unseren Nächsten, wie kann man dann seinen Nächsten wortwörtlich verachten, weil er sich auf den Weg der Karitas, dem Bemühen um ein Leben nach den ritterlichen Tugenden, der Demut, schlicht den Christus-Weg begeben hat …? Und nur wegen einer anderen Farbe des Kreuzes?! Da passt sogar der Begriff „Farbdiskriminierung“, beziehungsweise „Rassismus“ dazu. Der ist aber dem echten Orden doch fremd, oder …? Der Herr sprach, dass der Dienst an einem Leidenden ein Dienst am Herrn selbst ist, und versprach denjenigen einen Lohn, die nur einen einzigen Becher Wasser in seinem Namen reichen! Wie ist es dann möglich, wen wir dieselben Werte teilen, dass über den „Charakter eines Menschen die Farbe des Kreuzes entscheidet“? Wie ist es möglich, dass sich jemand seines Gelöbnisses, „seiner Farbe des Kreuzes“ entsagt und uns nicht mehr kennt? Wie kann es passieren, dass jemand unser Bruder wird und uns dann verlässt? Nein, wir sind keine politische Partei, denn die Parteien haben ihre Programme, ihre Wahlperioden – wir haben Christus, unseren Herrn, der NUR EINER ist, gemeinsam mit seinem Vater seit jeher in der Dreifaltigkeit mit dem Heiligen Geist – und zwar für all diejenigen, die in seinem Namen dienen wollen. Wenn ich jedoch meinen Bruder verrate, verrate ich mich und meinen Herrn. In den historischen Ritterzeiten wurden Menschen, die ihr Gelübde verrieten aus der menschlichen Gemeinschaft vertrieben. Auch deshalb kann man „Bürgervereinigungen“ mit „Ritterorden“ nicht vergleichen – der Name ist nur eine leere Schale, die wir längst mit einem klaren Inhalt gefüllt haben. Es ist kein „rhetorischer“ Inhalt, der, wie wir mit Bedauern beobachten, immer mehr vernebelt wird, sondern es ist ein realer Inhalt, der bewiesen werden kann, ein Inhalt mit demselben Wert wie die Inhalte anderer Orden. Dieser Teil ist nicht nur für die Mitglieder, sondern auch für die Anwärter bestimmt – prüfen wir unsere Taten, unser Inneres; interessieren Sie sich aktiv für den Orden, bemühen Sie sich, mit Ihren Kenntnissen, physischen Kräften oder anders beizutragen – jeder von uns bietet das, was er kann! Prüfen sie Ihre Treue gegenüber unserem Herrn, denken Sie daran, was Sie für ihn tun wollen und prüfen Sie letztendlich die Treue gegenüber sich selbst! Der Schlüssel zum Verstehen unserer Gemeinschaft ist nichts anderes als die Symbolik des achteckigen Kreuzes, wo selbst eine der vom Herrn auf dem Berg versprochenen Seligkeiten lautet: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und euren Namen als böse verwerfen um des Menschensohnes willen“. Manche bemühen sich darum aus Gründen, die den Christen nicht nur fremd, sondern auch abstoßend vorkommen müssen – auch deshalb muss nach uns mehr als nur eine Erinnerung bleiben. Ein Bestandteil unserer Botschaft ist die Harmonie zwischen der inneren Welt, der Seele unserer Gemeinschaft und den äußeren Erscheinungen. Als äußere Erscheinungen können Uniformen, Dekorationen, Insignien… angesehen werden. Einige kritisieren uns deswegen: „Warum denn überhaupt Insignien und Dekorationen“?! Jeder der zu unserem Orden gehört, erlebte den heiligen Augenblick, wenn seinen Hals das Ordensband mit aufgehängtem Kreuz umfasste – eben in diesem Moment sind wir dem Hl. Wenzeslaus näher! Wie denken an ihn, fühlen Demut und Ergebenheit und seinen Willen beim Zuknöpfen des über unsere Schultern geworfenen Mantels – und verspüren nicht nur eine Pflicht, wir nehmen das Kreuz auf uns, das achteckige Kreuz, ein scharfes Kreuz! Auch das ist ein Grund, warum es Orden gibt – es ist kein „Mitgliedsausweis“, sondern ein Gelübde, ein verbindliches Gelöbnis und Schwur, mit dem wir uns zweifelsfrei zu seinem Willen, zur Gehorsamkeit der Mutter Kirche, zur Anerkennung von Autoritäten verpflichten. Wir versprechen, dass wir nach seinem Willen, unter der Leitung derer handeln werden, die für uns einen Teil der Verantwortung übernehmen.
In allen Orden sind Dekorationen, Insignien und Uniformen ein mehr als nützliches Element – früher, genauso wie heute, dienten diese zur Absonderung eines in die Schlacht ziehenden Ritters, damit man sehen kann, für „welche Seite“, für welchen Gedanken also, sie bereit sind ihr Leben zu opfern. Wir studieren das Leben unseres Schutzherrn, des heiligen Wenzeslaus, der uns durch seine belegten Taten den Weg zum Licht und den vollen Sinn unserer Gemeinschaft zeigt. Unser Kampf ist nicht mehr und nicht weniger groß als der Kampf der mittelalterlichen Ritter – nur das Schlachtfeld und die Waffen sind anders. Man hat um Ordensgebiete, Besitzungen und Kommenden hart und grausam gekämpft – man hat ums Überleben, die Erfüllung der ewigen Mission gekämpft. Dazu brauchte man nicht nur Ideale, sondern auch ökonomische Quellen. Und heute? Es ist vielleicht angebracht zu sagen: „Die Feder ist mächtiger als das Schwert,“ – aus der Feder ist die Tastatur eines Computers geworden, durch die wir Projekte schaffen, mit denen wir dann – wie mit einer geschmiedeten Waffe – um die Realisierung unserer Visionen und Ideale kämpfen, um unser Überleben und unseren Aufschwung – nicht nur unserer Gemeinschaft, aber durch uns, der ganzen kulturellen Welt, die auf den christlichen Traditionen aufgebaut wurde. Diese Tradition versucht man heutzutage zu relativieren oder im Gegenteil zu monopolisieren. Der Ideenkampf ist ewig, heute spielt er sich in realen Umrissen der wirtschaftlichen Bedürfnisse unserer Gesellschaft ab. Heute werden die Besitzungen und Ordensgebiete durch Unterstützungen, Subventionen, Spenden usw. ersetzt. Die Veränderung der Umgebung und Entwicklung kann jedoch die ewigen Gottesworte, die Evangelien auf keine Weise beeinflussen. Daraus muss jede unserer Handlungen hervorgehen, und dessen sind wir uns als Ritterorden des heiligen Wenzeslaus vollständig bewusst.
Wer sich diesem Werk aus jeglichem Beweggrund nicht anschließen will, wer die Ordenrichtlinien missachtet, sich weder für die EOSW-Tätigkeit noch für seine Vorfahren interessiert, eine Mitgliedschaft im Orden mit der Erhebung in den Adelsstand verwechselt – ohne etwas Edles geleistet zu haben – wie will er unser Bruder sein?!
Haben Sie irgendwann das achteckige Kreuz mit den Händen fest umschlossen? Versuchen Sie es – es tut weh! Jedes Kreuz tut weh, das achteckige Kreuz besonders. Ja, seine scharfen Spitzen – das sind acht Seligkeiten für diejenigen, die ihr Gelübde gegenüber dem Herrn einhalten – es ist dieses Symbol und sein Sinn, der Kern und die Prinzipien des ritterlichen Daseins. Tragen Sie das Kreuz mit uns, ohne Rücksicht auf seine Farbe, wir unterstützen uns bei unseren Bemühungen, wir unterstützen uns gegenseitig in unserer christlichen Gemeinschaft und so wird die Last kleiner! Zeigen Sie – jeder für sich und mit seinen Brüdern gemeinsam – dass Sie dieses Symbols würdig sind. Dazu haben Sie sich ja mit Ihrem Gelöbnis bereits verpflichtet:
Ich schwöre beim heiligen Wenzeslaus:
- ich erstrebe edles Denken, Tun und edle Taten
- ich helfe meinen Nächsten nach meinen Kräften und Möglichkeiten
- ich richte mich nach den Satzungen und dem Statut des Ordens – EOSW
- ich richte mich nach dem Ordenskodex
Es hängt einzig und allein von uns ab, wie tief wir diese Verpflichtungen über die Worte und Taten Christus erfüllen. Falls es einige althergebrachte Gemeinschaften gibt, die dieses Gelübde mit der Mitgliedschaft in den eigenen Reihen unverträglich finden, so kann es uns nur unendlich leid tun, weil sie unser Vorhaben nicht begriffen haben.
Wir leben in einer Zeit, in der unsere Gemeinschaft „gesehen werden muss“ – im Sinne „wir müssen uns nicht schämen“. Wenn es eine passende Gelegenheit gibt, den anderen zu helfen, so zeigen wir doch unser Symbol, machen Interessenten mit unserer Geschichte, mit dem Kult des heiligen Wenzeslaus und unserer Tätigkeit bekannt – dass alles kann leicht präsentiert werden! Eine Ausrede in Richtung Werbematerialien ist schwach – manches finden Sie auch unter www.eosw.info.
Werte Freunde, ich danke Ihnen, dass Sie bis zu dieser Stelle gelesen haben. Ich hoffe innig, dass Sie sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, Ihrer Kontakte usw. dem Ordenswerk, das gerade jetzt Ihre Teilnahme sehr stark braucht, vollständig anschließen werden.
Mit freundlichen Grüßen, immer in Christus ergeben
JUDr. Tomáš Tyl – EOSW-Herold, e. h.
P.S.: Sollten Sie Mängel in Ihrem Stammbaum oder in der Wappengestaltung feststellen, zögern Sie bitte nicht mich zu kontaktieren; ich helfe Ihnen aus der Position des Herolds sicher gerne und fachmännisch.